Was bleibt?
Was bleibt? Ist Peter Abaelard gescheitert?
So schillernd sein Lebenslauf wirkt, im Grunde genommen ist er nichts anderes als eine ununterbrochene Abfolge von Katastrophen und Niederlagen. Die meisten Zeitgenossen verstanden Peter Abaelard nicht; einige machten ihn am Ende mundtot. Seine Lehren versanken mehr oder minder in einer ungerechten Anonymität: Namhafte Theologen und Philosophen – selbst so berühmte wie Petrus Lombardus oder Thomas von Aquin – haben seine Methodik und Lehren übernommen, aber keiner von ihnen hat ihn je zitiert.
Ich sehe seine epochale Leistung vor allem in der Verbindung von Theorie und der gelebten Erfahrung. Die Verbindung von Geist und Seele – animus und anima – prägen seine leidenschaftlichen theoretischen Erörterungen wie die intimsten Lebensbeschreibungen. Bei aller Provokation, die er seinen Mitmenschen zugemutet hat, er liebte und verteidigte letzlich das Leben, und seine Nähe zu allem Lebendigen steckt an, auch wenn der Hintergrund Verzicht auf Liebe, Anerkennung und freie Lebensgestaltung war.