Archiv für September 2009

Der Zustand des Nichtwissens

Ein Beitrag zum Themengebiet 6_Körperwege - Übungswege, geschrieben am 10. September 2009 von Chamcham

“Ich weiss dass ich nichts weiß” Ähnlich wie bei Platon ist in den ersten Sutren des Patanjali, die die Versenkungs-Übung eröffnen, “Atha”, das Nichts, ein absolutes Vergessen und ein Bruch mit den Erfahrungen der Vergangenheit notwendige Vorausetzung für die Erkenntnis des Neuen. Das Neue ist Yoga.

atha yoga-amnusásanam. Nun folgt die Disziplin des Yoga.

Yoga sei der Zustand, in dem die seelisch-geistigen Vorgänge zur Ruhe kommen. Das, was zurück gelassen wird, das Wesen der Vergangenheit, ist bestimmt durch die Identifizierung mit dem Erlebten.

vritti-sarupyam iataratra. Alle früheren Zustände sind bestimmt durch die Identifizierung mit den seelisch-geistigen Vorgängen.

Das Wort vritti ist abgeleitet von der Wurzel vrt und bedeutet “wählen, vorziehen.” Mit dem Entschluss, sich der Yoga-Praxis zu widmen, wählt der Übende den Ausstieg aus dem Karussel der immergleichen Gedankengänge. Er steigt aus.

Vom ledigen Gemüt

Ein Beitrag zum Themengebiet 6_Körperwege - Übungswege, geschrieben am 10. September 2009 von Chamcham

Grundvoraussetzung des “Allerkräftigsten Gebets und allerhöchsten Werks”, beides also, die Voraussetzung einer Meditation wie die des daraus resultierenden wirksamen Tuns, ist laut Meister Eckhart das “ledige Gemüt”.

“Was ist ein lediges Gemüt?” fragt Eckart seine Schüler. Die Antwort lautet:

“Das ist ein lediges Gemüt, das von nichts belastet oder verwirrt, an nichts gebunden ist, das seine besten Kräfte in keiner Weise festgelegt hat, das nirgendwo das Seine meint, sonders das ganz und gar in den liebsten Willen Gottes versunken und aus dem eigenen ausgegangen ist. Der Mensch kann kein noch so unbedeutendes Werk verrichten, wenn er nicht hieraus seine Kraft und seine Fähigkeit schöpft. So kräftig soll man beten, als ob man wollte, daß alle menschlichen Glieder und Kräfte: Augen, Ohren, Mund, Herz und alle Sinne darauf gerichtet wären und nicht eher aufhören, als bis man merkt, daß man auf dem Wege ist, sich mit dem zu vereinigen, den man gegenwärtig hat und zu dem man betet, das ist Gott.”

Übung als Weg: West und Ost

Ein Beitrag zum Themengebiet 1_Allgemeines, 6_Körperwege - Übungswege, geschrieben am 6. September 2009 von Chamcham

Anfang des 13. Jahrhunderts schreibt ein Denker des späten Mittelalters Texte nieder, die wie eine Übung, eine Anweisung zur täglichen Meditation anmuten. Vieles erinnert an den Weg der ungegenständlichen Meditation des Ostens. Meister Eckart ist der Autor.

Im 2. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung wurden die klassischen Lehrsprüche des Patanjali – die Grundlage aller Yoga Systeme – niedergeschrieben. Der Text soll den Übenden schrittweise, ohne Askese und ohne Unterdrücke der Denkvorgänge, zum Verständnis der Wirklichkeit führen.

Ich will in mehreren nachfolgenden Artikeln diese Wege durch Zitate und Erläuterungen durch einfaches Nebeneinanderstellen skizzieren.

Wer sich dafür interessiert, kann mehr darüber lesen in:
Erika Albrecht, Meister Eckarts Sieben Grade des schauenden Lebens, Aachen, 1987
Patanjali, Die Wurzeln des Yoga, Elfte Auflage 2005, Hrsg. von Bettina Bäumer