Lauf, Eros, lauf …
Ein Beitrag zum Themengebiet 2_Diotimas Erben, geschrieben am 28. August 2006 von ChamchamSo richtig geheuer war den alten Griechen der Gott Eros nicht. Man hätte ihn eigentlich auch draussen lassen können.
Nicht Gott, nicht Mensch. Herkunft: ungewiss, einzige Gewissheit: er entstammt dem Chaos, erst später hat man ihm Aphrodite als Mutter zugedacht.
Dennoch von Interesse. Ein Gastmahl, Männer unter Männern. Und es wird gezecht. Damals: wurde auch gerne gesungen.
Eros, das Thema. Immer wieder gerne gehört, immer wieder gern besungen.
Schön, schöner, am schönsten. Eros. Man(n) singt, man(n) trinkt. Und je mehr man(n) getrunken hat, umso eher verschwimmen die Konturen zwischen dem, was man(n) gern hätte und dem, was man(n) ist. Schön und vollkommen?
Sokrates schmunzelt; und damit tritt Diotima auf den Plan.
Ist es nicht so … und nun legt Sokrates der Dame aus alter Vorzeit die Worte einer echten Sophistin in den Mund. Ist es nicht so, dass Eros nicht eigentlich schön sein, sondern er vielmehr den Mangel, woran man leide, verkörpere?
Nicht Eros, sondern Aphrodite, die selbstvergessene Schöne sei es, die allen ihre bewegende und befruchtende Kraft zuteil werden lasse; Eros, nichts weiter als ein Laufbursche, der hin- und hereile zwischen Menschen und Göttern, Schönen und weniger Schönen, Reichen und Armen …
Grenzen? Nicht für Eros, er läuft und läuft …
Nehmen wir einmal Platon zur Hand, und zwar das ‘Gastmahl’, einen der mittleren Dialoge Platons, in der die eindeutige Handschrift seines großen Lehrers zu erkennen ist, so überrascht uns darin ein Dialog zwischen Sokrates und einer Frau, einer gewissen Diotima.