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		<title>Zur-Ruhe-Kommen</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Nov 2009 15:59:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Chamcham</dc:creator>
				<category><![CDATA[6_Körperwege - Übungswege]]></category>

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		<description><![CDATA[Zu-Ruhe-Kommen, das Loslösen von den immergleichen Mustern ist das Ziel der Übung in den Yoga-Sutren des Patanjali. 
abhyasa-vairigyabhyam tan-nirodhah.
Das Zur-Ruhe-Kommen der seelisch-geistigen Vorgänge erlangt man durch Übung (abhyasa) und Loslösung (vairagya).
Trotz Loslösung bleibt der Mensch in der Welt, ist untrennbarer Bestandteil des geistigen Kosmos wie auch der äußeren Erscheinungswelt. Es ist eine Beziehungsfrage zwischen Welt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zu-Ruhe-Kommen, das Loslösen von den immergleichen Mustern ist das Ziel der Übung in den Yoga-Sutren des Patanjali. </p>
<p><em>abhyasa-vairigyabhyam tan-nirodhah.</em><br />
Das Zur-Ruhe-Kommen der seelisch-geistigen Vorgänge erlangt man durch Übung (abhyasa) und Loslösung (vairagya).</p>
<p>Trotz Loslösung bleibt der Mensch in der Welt, ist untrennbarer Bestandteil des geistigen Kosmos wie auch der äußeren Erscheinungswelt. Es ist eine Beziehungsfrage zwischen Welt und Mensch, Mensch und Welt, die hier geklärt werden soll. </p>
<p><em>tatparam purusa-khyater guna-vaitrsnyam. </em><br />
Das Nicht-Begehren der Erscheinungswelt, das zu der Schau des ursprünglichen Menschen (purusa) führt, ist die höchste Form der Loslösung. </p>
<p>Ein Sehen, das von irgendeiner Identifizierung verstellt oder getrübt ist, ist kein Sehen. Es verstellt die Sicht auf die Wirklichkeit. Daher ist es ein wichtiger Teil der Übung, dass der Mensch seine Beziehung zur Welt klärt, nicht Opfer seiner eigenen oder fremder Vorstellungen wird. Es geht darum, dass er die Welt als einen Teil seiner selbst &#8220;durch-schaut&#8221;,  diese als wesensgleich wahrnimmt, sich in ihr spiegelt. Zur Ruhe gekommen kann sich die Entwicklung des Kosmos im Menschen selbst vollziehn. Frei. Nach dem Gesetz der ursprünglichen Wirklichkeit. </p>
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		<title>Vom Gott-werden</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Nov 2009 13:21:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Chamcham</dc:creator>
				<category><![CDATA[6_Körperwege - Übungswege]]></category>
		<category><![CDATA[Meister Eckart]]></category>
		<category><![CDATA[Mensch - Gott]]></category>
		<category><![CDATA[Werdekräfte]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Kräfte des Menschen sind Eines. Die göttliche Dimension ein Anderes. Wie und wo begegnen sie sich?
Eckart benennt die Ich-Kräfte des Menschen ohne zu urteilen. Die Dinge sind, wie sie sind. Da die Verstandeskräfte, das Begehren. Der Zorn! Kräfte, zum Werden bestimmt. Dort, das Licht Gottes. 
Zwar können die Eigenkräfte dem reinen Blick auf das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Kräfte des Menschen sind Eines. Die göttliche Dimension ein Anderes. Wie und wo begegnen sie sich?<br />
Eckart benennt die Ich-Kräfte des Menschen ohne zu urteilen. Die Dinge sind, wie sie sind. Da die Verstandeskräfte, das Begehren. Der Zorn! Kräfte, zum Werden bestimmt. Dort, das Licht Gottes. </p>
<p>Zwar können die Eigenkräfte dem reinen Blick auf das Göttliche im Wege stehn. Dennoch sind es Knospen, die in einem immerwährenden Schöpfungsprozess, an dem jeder Mensch und alle Geschöpfe teilhaben, erblühen und zu &#8216;höheren Kräften&#8217; werden, zu denen laut Eckart zB. auch die Liebe gehören. </p>
<p>In einer Übungssequenz geht es Eckart darum, die Gegenüberstellung Mensch &#8211; Gott zu inszenieren. Der Mensch &#8220;wird Gott&#8221; im Betrachten eines Bildes. Ein Bild, das nicht statisch und gesetzt, sondern frei und in Entfaltung begriffen ist. Der Mensch gerät im Schauen in ein Feld hinein, das er selbst ist. Selbst sein kann: Wie Gott.  </p>
<blockquote><p><em>&#8220;Zum anderen, (&#8230;) soll der Mensch bedenken, wie Gott seine Seele geliebt hat, dass er sie nach dem Bilde der Dreifaltigkeit schuf und dass sie all das aus Gnade werden kann, was Gott von Natur ist.&#8221;<br />
</em></p></blockquote>
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		<title>Der Zustand des Nichtwissens</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Sep 2009 16:27:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Chamcham</dc:creator>
				<category><![CDATA[6_Körperwege - Übungswege]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Ich weiss dass ich nichts weiß&#8221; Ähnlich wie bei Platon ist in den ersten Sutren des Patanjali, die die Versenkungs-Übung eröffnen, &#8220;Atha&#8221;, das Nichts, ein absolutes Vergessen und ein Bruch mit den Erfahrungen der Vergangenheit notwendige Vorausetzung für die Erkenntnis des Neuen. Das Neue ist Yoga. 
atha yoga-amnusásanam.  Nun folgt die Disziplin des Yoga. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Ich weiss dass ich nichts weiß&#8221; Ähnlich wie bei Platon ist in den ersten Sutren des Patanjali, die die Versenkungs-Übung eröffnen, &#8220;Atha&#8221;, das Nichts, ein absolutes Vergessen und ein Bruch mit den Erfahrungen der Vergangenheit notwendige Vorausetzung für die Erkenntnis des Neuen. Das Neue ist Yoga. </p>
<p><em>atha yoga-amnusásanam. </em> Nun folgt die Disziplin des Yoga. </p>
<p>Yoga sei der Zustand, in dem die seelisch-geistigen Vorgänge zur Ruhe kommen. Das, was zurück gelassen wird, das Wesen der Vergangenheit, ist bestimmt durch die Identifizierung mit dem Erlebten. </p>
<p><em>vritti-sarupyam iataratra.</em> Alle früheren Zustände sind bestimmt durch die Identifizierung mit den seelisch-geistigen Vorgängen. </p>
<p>Das Wort <em>vritti</em> ist abgeleitet von der Wurzel <em>vrt </em>und bedeutet &#8220;wählen, vorziehen.&#8221; Mit dem Entschluss, sich der Yoga-Praxis zu widmen, wählt der Übende den Ausstieg aus dem Karussel der immergleichen Gedankengänge. Er steigt aus. </p>
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		<title>Vom ledigen Gemüt</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Sep 2009 07:43:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Chamcham</dc:creator>
				<category><![CDATA[6_Körperwege - Übungswege]]></category>
		<category><![CDATA[Gebet]]></category>
		<category><![CDATA[Meister Eckart]]></category>
		<category><![CDATA[Menschliche Glieder]]></category>
		<category><![CDATA[Willen Gottes]]></category>

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		<description><![CDATA[Grundvoraussetzung des &#8220;Allerkräftigsten Gebets und allerhöchsten Werks&#8221;, beides also, die Voraussetzung einer Meditation wie die des daraus resultierenden wirksamen Tuns, ist laut Meister Eckhart das &#8220;ledige Gemüt&#8221;. 
&#8220;Was ist ein lediges Gemüt?&#8221; fragt Eckart seine Schüler. Die Antwort lautet: 
&#8220;Das ist ein lediges Gemüt, das von nichts belastet oder verwirrt, an nichts gebunden ist, das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Grundvoraussetzung des &#8220;Allerkräftigsten Gebets und allerhöchsten Werks&#8221;, beides also, die Voraussetzung einer Meditation wie die des daraus resultierenden wirksamen Tuns, ist laut Meister Eckhart das &#8220;ledige Gemüt&#8221;. </p>
<p>&#8220;Was ist ein lediges Gemüt?&#8221; fragt Eckart seine Schüler. Die Antwort lautet: </p>
<blockquote><p><em>&#8220;Das ist ein lediges Gemüt, das von nichts belastet oder verwirrt, an nichts gebunden ist, das seine besten Kräfte in keiner Weise festgelegt hat, das nirgendwo das Seine meint, sonders das ganz und gar in den liebsten Willen Gottes versunken und aus dem eigenen ausgegangen ist. Der Mensch kann kein noch so unbedeutendes Werk verrichten, wenn er nicht hieraus seine Kraft und seine Fähigkeit schöpft. So kräftig soll man beten, als ob man wollte, daß alle menschlichen Glieder und Kräfte: Augen, Ohren, Mund, Herz und alle Sinne darauf gerichtet wären und nicht eher aufhören, als bis man merkt, daß man auf dem Wege ist, sich mit dem zu vereinigen, den man gegenwärtig hat und zu dem man betet, das ist Gott.&#8221;</em></p></blockquote>
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		<title>Übung als Weg: West und Ost</title>
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		<pubDate>Sun, 06 Sep 2009 09:29:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Chamcham</dc:creator>
				<category><![CDATA[1_Allgemeines]]></category>
		<category><![CDATA[6_Körperwege - Übungswege]]></category>

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		<description><![CDATA[Anfang des 13. Jahrhunderts schreibt ein Denker des späten Mittelalters Texte nieder, die wie eine Übung, eine Anweisung zur täglichen Meditation anmuten. Vieles erinnert an den Weg der ungegenständlichen Meditation des Ostens. Meister Eckart ist der Autor. 
Im 2. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung wurden die klassischen Lehrsprüche des Patanjali &#8211; die Grundlage aller Yoga Systeme [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Anfang des 13. Jahrhunderts schreibt ein Denker des späten Mittelalters Texte nieder, die wie eine Übung, eine Anweisung zur täglichen Meditation anmuten. Vieles erinnert an den Weg der ungegenständlichen Meditation des Ostens. Meister Eckart ist der Autor. </p>
<p>Im 2. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung wurden die klassischen Lehrsprüche des Patanjali &#8211; die Grundlage aller Yoga Systeme &#8211; niedergeschrieben. Der Text soll den Übenden schrittweise, ohne Askese und ohne Unterdrücke der Denkvorgänge, zum Verständnis der Wirklichkeit führen. </p>
<p>Ich will in mehreren nachfolgenden Artikeln diese Wege durch Zitate und Erläuterungen durch einfaches Nebeneinanderstellen skizzieren.</p>
<p>Wer sich dafür interessiert, kann mehr darüber lesen in:<br />
Erika Albrecht, Meister Eckarts Sieben Grade des schauenden Lebens, Aachen, 1987<br />
Patanjali, Die Wurzeln des Yoga, Elfte Auflage 2005, Hrsg. von Bettina Bäumer </p>
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		<title>Was bleibt?</title>
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		<pubDate>Wed, 29 Apr 2009 15:15:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Chamcham</dc:creator>
				<category><![CDATA[1_Allgemeines]]></category>
		<category><![CDATA[5_Denken im Dunkeln]]></category>

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		<description><![CDATA[Was bleibt? Ist Peter Abaelard gescheitert?
So schillernd sein Lebenslauf wirkt, im Grunde genommen ist er nichts anderes als eine ununterbrochene Abfolge von Katastrophen und Niederlagen. Die meisten Zeitgenossen verstanden Peter Abaelard nicht; einige machten ihn am Ende mundtot. Seine Lehren versanken mehr oder minder in einer ungerechten Anonymität: Namhafte Theologen und Philosophen &#8211; selbst so [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was bleibt? Ist Peter Abaelard gescheitert?<br />
So schillernd sein Lebenslauf wirkt, im Grunde genommen ist er nichts anderes als eine ununterbrochene Abfolge von Katastrophen und Niederlagen. Die meisten Zeitgenossen verstanden Peter Abaelard nicht; einige machten ihn am Ende mundtot. Seine Lehren versanken mehr oder minder in einer ungerechten Anonymität: Namhafte Theologen und Philosophen &#8211; selbst so berühmte wie Petrus Lombardus oder Thomas von Aquin &#8211; haben seine Methodik und Lehren übernommen, aber keiner von ihnen hat ihn je zitiert.</p>
<p>Ich sehe seine epochale Leistung vor allem in der Verbindung von Theorie und der gelebten Erfahrung. Die Verbindung von Geist und Seele &#8211; animus und anima &#8211; prägen seine leidenschaftlichen theoretischen Erörterungen wie die intimsten Lebensbeschreibungen. Bei aller Provokation, die er seinen Mitmenschen zugemutet hat, er liebte und verteidigte letzlich das Leben, und seine Nähe zu allem Lebendigen steckt an, auch wenn der Hintergrund Verzicht auf Liebe, Anerkennung und freie Lebensgestaltung war.   </p>
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		<title>Die Verstümmelung</title>
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		<pubDate>Tue, 28 Apr 2009 08:12:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Chamcham</dc:creator>
				<category><![CDATA[5_Denken im Dunkeln]]></category>
		<category><![CDATA[Aristoteles]]></category>
		<category><![CDATA[Entmannung]]></category>
		<category><![CDATA[extra ecclesiam nulla salus]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[non Petrus]]></category>
		<category><![CDATA[perversi pervertentes]]></category>
		<category><![CDATA[sed imperfectus Petrus appellandus es]]></category>

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		<description><![CDATA[Abaelard bereute seine &#8220;Tat&#8221;, war bereit, mit Heloise eine Ehe einzugehen, doch der Onkel von Heloise lässt Abaelard überfallen und veranlasst dessen Entmannung. Dieser überlebt die Verstümmelung und tritt tief gedemütigt in die Abtei Saint-Denis ein. 
Was bewegt wohl einen Menschen, der bisher kühn seine Sache vertreten hatte, sich derart zurücksetzen zu lassen, Demütigungen hinzunehmen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Abaelard bereute seine &#8220;Tat&#8221;, war bereit, mit Heloise eine Ehe einzugehen, doch der Onkel von Heloise lässt Abaelard überfallen und veranlasst dessen Entmannung. Dieser überlebt die Verstümmelung und tritt tief gedemütigt in die Abtei Saint-Denis ein. </p>
<p>Was bewegt wohl einen Menschen, der bisher kühn seine Sache vertreten hatte, sich derart zurücksetzen zu lassen, Demütigungen hinzunehmen und dem System Kirche durch einen reumütigen Rückzug ins Kloster Recht zu geben? </p>
<p>Auch wenn es heutzutage nicht mehr nachvollziehbar scheint, so beschreibt der Satz &#8220;extra ecclesiam nulla salus&#8221; die subtile Taktik eines Systems, das Schutz und Heil garantierte, jedoch nur innerhalb dieser Mauern: „Außerhalb der Kirche gibt es kein Heil!“. Es mag wie eine Verschwörungsformel gegen all die, die draußen stehen, klingen. Für einen Denker des 12. Jahrhunderts war es eine Realität: leben, denken und handeln konnte man nur innerhalb der Kirche, wer sich auch nur einen Schritt aus diesem Gefüge traute, verlor seine Daseinsberechtigung.  </p>
<p>Doch nicht genug damit. Der ehemalige Lehrer Abaelards, Rocellinus, der einst seinen Schüler zu seinen gewagten Gedanken ermutigt hatte, schreibt ihm folgenden Schmähbrief: </p>
<blockquote><p><em>Certus sum autem, quod masculini generis nomen, si a suo genere deciderit, rem solitam significare recusabit. Solent enim nomina propria significationem amittere, cum eorum significata contigerit a sua perfectione recedere. Neque enim ablato tecto vel pariete domus, sed imperfecta domus vocabitur. Sublata igitur parte, quae hominem facit, non Petrus, sed imperfectus Petrus appellandus es. – </em></p>
<p>Ich bin mir sicher, dass ein Begriff männlichen Geschlechts seine Signifikanz verliert, wenn das Geschlecht entfallen ist. Es verlieren nämlich Eigennamen ihre Bedeutung, wenn das mit ihnen Bezeichnete seine Vollkommenheit verloren hat. Wenn einem Haus eine Wand oder ein Dach fehlt, dann wird es unvollständiges Haus genannt. Wenn dir also deine Männlichkeit abhanden gekommen ist, dann muss man dich nicht Peter, sondern unvollständiger Peter nennen. </p></blockquote>
<p>Als würde sich ein Jahrhundert noch einmal in seinem absoluten Denkgefüge suhlen und damit allem weiteren Fortschritt trotzen können, wird der Fragende, Liebende und Denkende an den Pranger gestellt: hier könnt ihr sehen, wie es einem geht, der es wagt, ohne den Segen der Kirche zu denken.  </p>
<p>Es war ein Leichtes, Abaelards moderne Ansätze schlicht fallen zu lassen. Die Gedankenlinie, die von  der philosophischen Schule Aristoteles bis hin zu einer logisch durchdachten Religiosität reichen sollte, war mit einem einzigen Argument entkräftet: der „unvollständige Peter“ (= imperfectus Petrus) sorgte noch lange für Gelächter. </p>
<p>Die blinden Blindenführer (= perversi pervertentes) wie Abaelard die Gegner seiner Denkschule nannte, jene, die die Bedeutung der Logik für das Verständnis des Glaubens ablehnten, hatten noch eine Schonfrist. </p>
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		<title>Zur Sache: Liebe.</title>
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		<pubDate>Fri, 24 Apr 2009 18:53:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Chamcham</dc:creator>
				<category><![CDATA[5_Denken im Dunkeln]]></category>
		<category><![CDATA[Gelöbnis]]></category>
		<category><![CDATA[Heloise]]></category>
		<category><![CDATA[Individuum]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>

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		<description><![CDATA[Zurück zu den Dingen: auch Peter Abaelardus war kein Kostverächter und schätze es durchaus, die Dinge zu spüren, anzufassen und die Welt mit den Sinnen auszuloten. Nun denn, an Heloise, einer Nonne, die das Zölibat geschworen hattte, fand er außerordentlich Gefallen. Und hat damit die Leidenschaft entdeckt.
So schreibt Abaelard über seine Unterrichtsstunden mit ihr:
&#8220;Da wurden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zurück zu den Dingen: auch Peter Abaelardus war kein Kostverächter und schätze es durchaus, die Dinge zu spüren, anzufassen und die Welt mit den Sinnen auszuloten. Nun denn, an Heloise, einer Nonne, die das Zölibat geschworen hattte, fand er außerordentlich Gefallen. Und hat damit die Leidenschaft entdeckt.</p>
<blockquote><p>So schreibt Abaelard über seine Unterrichtsstunden mit ihr:<br />
<em>&#8220;Da wurden über dem offenen Buch mehr Worte über Liebe als über Lektüre gewechselt; da gab es mehr Küsse als Sprüche. Nur allzu oft zog es die Hand statt zu den Büchern zu ihrem Busen, und öfter spiegelte Liebe die Augen ineinander, als dass die Lektüre sie auf die Schrift lenkte; ja, um jeden Verdacht unmöglich zu machen, gab es einige Male Schläge. Aber es war Liebe, nicht Grimm, Neigung, nicht Zorn, und sie überboten die Süße von allem Balsam der Welt. Kurz: keine Stufe der Liebe ließen wir Leidenschaftlichen aus, und wo die Liebe etwas Ungeheuerliches erfinden konnte, wurde es mitgenommen. Und je weniger wir bisher diese Freuden erfahren hatten, um so glühender verharrten wir in ihnen und um so weniger wandelten sie sich in Überdruss.&#8221; </em></p></blockquote>
<p>Einziges Drama: diese seine Liebschaft wurde entdeckt. Doch da packte Abaelard die Gelegenheit beim Schopfe und schrieb auf, wie es ihm ergangen war. Schrieb, wie es denn sei mit der Liebe. Und warum er dennoch, unter allen Umständen, sein heiliges Gelöbnis der Kirche gegenüber nicht aufheben werde. Auf allen Wegen versucht er zu verteidigen, was ihm nicht schlecht oder verwerflich,  sondern, ganz im Gegenteil, heilig und schön erschien: der Kuss einer ihn liebenden Frau. Die Wangen, die sich röten, ihre Ergebenheit, ihr Lachen. Der Moment, überhaupt: der Moment; der durch nichts aber auch gar nichts zu unterbinden war. </p>
<p>Er packt den Griffel und schreibt. Und man sollte es nicht glauben: im Moment einer Liebe wird eine Art früher europäischer Rationalismus geboren. Der Mensch fragt sich, aus welchem Grund er eigentlich nicht lieben solle, und warum er nicht zugleich an Gott glauben könne. </p>
<p>Ein &#8220;autonomes Individuum&#8221; artikuliert sich. Es schreibt auf, ist empört, beklagt durchaus seine Sünden. Und ist dennoch der Meinung, dass es sein müsse. Die eigene Entscheidung, die sich immer wieder neu behauptet und sich erst dabei herausbildet. </p>
<p>Schließlich lässt Abaelard in der Schrift <a href="http://www.abaelard.de/abaelard/050200briefwechsel.htm" target="_blank">„Historia Calamitatum“</a> auch Heliose zu Wort kommen. Diese fragt sich, warum alle Welt sich derart aufregt. Sie habe nie die drückende Fessel der Ehe gewollt, allein die Zuneigung (sola gratia) sei es gewesen, die sie an Abaelard gebunden habe. </p>
<p>Zu guter Letzt sieht auch sie ein, dass ein öffentlich geführter Disput mit ihrem Liebsten zum Thema Liebe nur an einem Ort enden könne: im Kloster. Im letzten Kapitel erläutert ein geläuterter Abaelard ihr die Klosterregeln und auch sie begibt sich in die Obhut der Nonnen. </p>
<p>Amen?</p>
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		<item>
		<title>Peter Abaelardus und die Lehre von der &#8220;Entdinglichung&#8221;</title>
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		<pubDate>Fri, 17 Apr 2009 20:22:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Chamcham</dc:creator>
				<category><![CDATA[5_Denken im Dunkeln]]></category>
		<category><![CDATA[Allegorisierung]]></category>
		<category><![CDATA[in re]]></category>
		<category><![CDATA[in voce]]></category>
		<category><![CDATA[Toleranz]]></category>

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		<description><![CDATA[Sind die Allgemeinbegriffe die Dinge selbst oder haben wir sie erdacht? Der Streit hielt an und war für das 12. Jahrhundert kennzeichnend. Abaelard tendierte dazu, den Dingen ihre Wertigkeit über die Sprache zu geben (= in voce) und argumentierte dabei gegen die Sichtweise, dass es sich bei der Feststellung über Strukturen in den Dingen (=in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sind die Allgemeinbegriffe die Dinge selbst oder haben wir sie erdacht? Der Streit hielt an und war für das 12. Jahrhundert kennzeichnend. Abaelard tendierte dazu, den Dingen ihre Wertigkeit über die Sprache zu geben (= in voce) und argumentierte dabei gegen die Sichtweise, dass es sich bei der Feststellung über Strukturen in den Dingen (=in re) handelte.<br />
Abaelard bemüht sich um eine &#8220;Entdinglichung&#8221; der Begriffe und zieht daraus auch Konsequenzen für die Frage nach dem, was eine Aussage wahr oder falsch macht, bzw. ob die Begriffe lediglich eine Sache bezeichnen oder ob damit über deren Existenz geurteilt werden könne. </p>
<p>Was hat unser braver Mönch wohl damit angerichtet? Wir wagen es kaum zu ermessen, was diese Stellungnahme in der mittelalterlichen Welt bedeutet haben mag, in der die Allegorisierung der hellen und dunklen Mächte an der Tagesordnung war, Mächte, die ihrerseits als Tiere, gehörnte Wesen oder Ungeheuer auftraten, um das darzustellen, was in etwa Aussage der Kirche war: &#8220;Bedenke, dass du sterben musst!&#8221;</p>
<p>Die Angst vor dem Ende, das Geworfensein in die menschliche Existenz in ihrer Endlichkeit duldete keine &#8220;Entdinglichung&#8221;. Alle Sinnenfreude, alles Prachtvolle und Schöne stand im Schatten seines grausigen Endes und der Mensch harrte dessen, was da kommen sollte. Keineswegs waren diese Welten abzutun mit einem einfachen Wort, das nicht Ding selbst, sondern lediglich Idee war. </p>
<p>War Abaelardus einfach seiner Zeit voraus? Mit Sicherheit war er ein kühner Denker, dem es gelang, durch abstraktes Denken über den &#8220;Tellerrand&#8221; der kirchlichen Dogmen hinwegzuschauen. Wenn denn, so Abaelard, die Trinität nicht als die drei &#8211; Vater, Sohn und heiliger Geist &#8211; sondern als göttliche Eigenschaften gedacht werden, so sei es auch den Juden, ja selbst den Philosophen und jedwedem Heidenvolk möglich, das Heil zu erlangen. </p>
<p>Tja, hier entschwebt er seinen Zeitgenossen. Und die Dinge nehmen ihren Lauf &#8230;</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Ist denken gefährlich?</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Mar 2009 15:17:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Chamcham</dc:creator>
				<category><![CDATA[5_Denken im Dunkeln]]></category>
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		<category><![CDATA[Dogma]]></category>
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		<description><![CDATA[Nun, es ist und war zu keiner Zeit völlig harmlos, die Welt neu zu sehen, Gewohntes anders zu formulieren und der trägen Masse neue Impulse zuzumuten.  Aber gefährlich?
Die Theologie verstand sich im Mittelalter als Werkstatt für richtige Sätze. Und so wurde das Verhältnis von Gottvater und Gottsohn, d.h, Jesus Christus, zur zentralen Streitfrage im Mittelalter. In den biblischen Texten ist sowohl die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nun, es ist und war zu keiner Zeit völlig harmlos, die Welt neu zu sehen, Gewohntes anders zu formulieren und der trägen Masse neue Impulse zuzumuten.  Aber gefährlich?</p>
<p>Die Theologie verstand sich im Mittelalter als Werkstatt für richtige Sätze. Und so wurde das Verhältnis von Gottvater und Gottsohn, d.h, Jesus Christus, zur zentralen Streitfrage im Mittelalter. In den biblischen Texten ist sowohl die Rede davon, daß Jesus Gottes Sohn ist, als auch, daß er mit Gott eines Wesens ist. Und was machen wir nun damit?</p>
<p>Auf einer <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Synode_von_Konstantinopel">Synode in Konstantinopel </a>wurde im Jahr 381 festgelegt, dass Gott EINER ist, das sollte allerdings keine philosophische Äußerung zur Essenz des Göttlichen sein, vielmehr wurde damit verbindlich formuliert, wer recht hat: nämlich derjenige, der die volle Gottheit dem Vatergott, dem heiligen Geist aber auch dem Stifter zueignet: Christus ist nicht länger Person mit diversen menschlichen Eigenschaften, nein, er ist Gott. Und das ist das Christentum. Wer diesen Sachverhalt anerkennt, bekennt sich zur Religion, wer es in Frage stellt, ist ein Ketzer.</p>
<p>Die Philosophen, nein, auch die Theologen hatten damit ihre liebe Not. Immerhin müssen Worte, Ideen und Tatsachen immer wieder formuliert, erprobt, ja auch negiert werden um sich dem anzunähern, was ist. Was JETZT und im Kontext eines jeweiligen Denksystems IST.</p>
<p>Und hier beginnt ein Abenteuer, das für manchen tödlich, für viele aber zumindest mit Strafen und Ausgrenzung endet: die Diskussion um das Wesen des Göttlichen findet auch im sogenannten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Universalienstreit">Universalienstreit</a> statt, den die Griechen bereits angezettelt hatten.</p>
<p>Kann ein Allgemeinbegriff die Wirklichkeit darstellen, wie dies Platon schon formulierte, ist ein Ding schon vor seinem Begriff in der Welt (=ante res).<br />
Oder sind die Dinge bloße Namen, die im Menschenkopf geboren werden? Damit wäre jedes Ding, jeder Sachverhalt oder abstrakte Größe erst durch den Begriff in die Welt gekommen (=post res), wie wir es bei Aristoteles finden.</p>
<p>Harmloses Unterfangen, möchte man meinen. Und man ließ so manchen Philosophen auch gerne einen guten Mann sein, so lange dieser es nicht wagte, seine Ideen auf das Trinitätsdogma (Dreifaltigkeitslehre) anzuwenden.<br />
Ein gewisser <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Roscelin">Johannes Roscelin</a> behauptete seinerzeit etwa, dass Allgemeinbegriffe (=Universalien) im Kopf entstanden seien. So weit so gut. Doch da er außerdem behauptete, die Trinität sei eine Idee, keine Tatsache, wurde es ungemütlich. Denn das würde ja heißen, dass es keinen dreieinigen Gott, sondern wahlweise ein, zwei bis drei Götter, im schlimmsten Fall gar keinen Gott gäbe. Eine solche Einstellung akzeptierte die Kirche nicht und zwang Roscellinus zum Widerruf.</p>
<p>Der französische Philosoph und Theologe Abaelard, der Schüler von Roscelin war, beharrte darauf, dass es unsinnig sei, etwas zu glauben, was nicht mit dem Verstand erfasst werden könne. Und so gab er zu denken, dass keine der Positionen für sich alleine genommen wirklich Sinn mache. In den Allgemeinbegriffen, so Abaelard, spiegele sich durchaus ein in den zusammengefaßten Einzeldingen vorhandenes gemeinsames Wesen wider. Aber diese Allgemeinheiten existieren immer nur in den Dingen, nicht außerhalb von ihnen.</p>
<p>Was daran gefährlich war? Vielleicht die Tatsache, dass hier mehr als ein Satz nötig war, um die Komplexität des Sachverhalts darzustellen. Vielleicht aber auch nur die Auffoderung Abaelards, der dafür plädierte, selber zu denken. Aber davon ein ander Mal.</p>
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