Der “lîp” bei Paracelsus

Ein Beitrag zum Themengebiet 7_Der Leib: ein alter Begriff, geschrieben am 27. Juli 2011 von Chamcham

Auch wenn die Leibphilosphie dem 18. Jahrhundert zugeordnet wird, so liegen ihre Wurzeln tatsächlich im 16. Jhd. Ein Wegbereiter, der meist in der Leib-Seele-Diskussion übergangen wird, wohl deshalb, weil er nicht in erster Linie Philosoph, sondern Mediziner war, ist Paracelsus. Ein gewisser Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, der heute bestenfalls noch als Namensgeber der Heilpraktiker-Schulen auftaucht, sinniert in seinen Schriften zum ersten Mal über den “lîp” in Abgrenzung von einem reinen Ding.

Paracelsus legt seiner Leserschaft immer wieder nahe, zwischen “Ding” und “Leib” zu unterscheiden. “Ein Leib” ist Paracelus zufolge die gesamte Form, innen wie außen. Das Leibliche ist nicht nur etwas zum Tasten, Riechen und Sehen, es besitzt auch so etwas wie eine magnetische Kraft, eine Art Anziehungskraft, etwas, das die Form der Dinge von einem Zentrum aus zusammenhält und sich im umgebenden Raum mitteilt.

Ein “Innen” und “Außen” ist daher nur schwer beschreibbar, die Haut, so hält Paracelsus als wichtigen Punkt fest, ist keineswegs die Grenze, auch wenn dies äußerlich der Fall sein mag. Die Anziehungskraft zwischen den Menschen schafft immer wieder neue Grenzen zwischen den “Dingen”, dem materiellen Aspekt des Körperlichen, und lässt so auch die Frage anklingen, ob es zwischen Menschen, oder auch zwischen Menschen und einer übergeordneten Macht, überhaupt klare Grenzen gebe.
Ganz besonders betont Paracelsus die wohltuende Wirkung der Anziehungskraft zwischen einem weiblichen und männlichen Leib, in dessen Kraffeld ein Ganzes, vielmehr: der “neue Mensch” gebildet werde.

Zur-Ruhe-Kommen

Ein Beitrag zum Themengebiet 6_Körperwege - Übungswege, geschrieben am 12. November 2009 von Chamcham

Zu-Ruhe-Kommen, das Loslösen von den immergleichen Mustern ist das Ziel der Übung in den Yoga-Sutren des Patanjali.

abhyasa-vairigyabhyam tan-nirodhah.
Das Zur-Ruhe-Kommen der seelisch-geistigen Vorgänge erlangt man durch Übung (abhyasa) und Loslösung (vairagya).

Trotz Loslösung bleibt der Mensch in der Welt, ist untrennbarer Bestandteil des geistigen Kosmos wie auch der äußeren Erscheinungswelt. Es ist eine Beziehungsfrage zwischen Welt und Mensch, Mensch und Welt, die hier geklärt werden soll.

tatparam purusa-khyater guna-vaitrsnyam.
Das Nicht-Begehren der Erscheinungswelt, das zu der Schau des ursprünglichen Menschen (purusa) führt, ist die höchste Form der Loslösung.

Ein Sehen, das von irgendeiner Identifizierung verstellt oder getrübt ist, ist kein Sehen. Es verstellt die Sicht auf die Wirklichkeit. Daher ist es ein wichtiger Teil der Übung, dass der Mensch seine Beziehung zur Welt klärt, nicht Opfer seiner eigenen oder fremder Vorstellungen wird. Es geht darum, dass er die Welt als einen Teil seiner selbst “durch-schaut”, diese als wesensgleich wahrnimmt, sich in ihr spiegelt. Zur Ruhe gekommen kann sich die Entwicklung des Kosmos im Menschen selbst vollziehn. Frei. Nach dem Gesetz der ursprünglichen Wirklichkeit.

Vom Gott-werden

Ein Beitrag zum Themengebiet 6_Körperwege - Übungswege, geschrieben am 12. November 2009 von Chamcham

Die Kräfte des Menschen sind Eines. Die göttliche Dimension ein Anderes. Wie und wo begegnen sie sich?
Eckart benennt die Ich-Kräfte des Menschen ohne zu urteilen. Die Dinge sind, wie sie sind. Da die Verstandeskräfte, das Begehren. Der Zorn! Kräfte, zum Werden bestimmt. Dort, das Licht Gottes.

Zwar können die Eigenkräfte dem reinen Blick auf das Göttliche im Wege stehn. Dennoch sind es Knospen, die in einem immerwährenden Schöpfungsprozess, an dem jeder Mensch und alle Geschöpfe teilhaben, erblühen und zu ‘höheren Kräften’ werden, zu denen laut Eckart zB. auch die Liebe gehören.

In einer Übungssequenz geht es Eckart darum, die Gegenüberstellung Mensch – Gott zu inszenieren. Der Mensch “wird Gott” im Betrachten eines Bildes. Ein Bild, das nicht statisch und gesetzt, sondern frei und in Entfaltung begriffen ist. Der Mensch gerät im Schauen in ein Feld hinein, das er selbst ist. Selbst sein kann: Wie Gott.

“Zum anderen, (…) soll der Mensch bedenken, wie Gott seine Seele geliebt hat, dass er sie nach dem Bilde der Dreifaltigkeit schuf und dass sie all das aus Gnade werden kann, was Gott von Natur ist.”